Luni App - Das Making-Of

Nicht jede App muss erklären, was sie tut. Manche sollten einfach funktionieren.

Luni ist der Versuch, ein sensibles Thema so zurückhaltend wie möglich zu begleiten. Keine Texte, keine Nutzerkonten, keine personenbezogenen Daten. Stattdessen Symbole, Farben und ein klarer Ablauf. Öffnen. Bestätigen. Überblick sehen.

3 Minuten
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Luni: Eine App, entstanden aus Verantwortung

Manche Projekte beginnen nicht mit einer Idee, sondern mit einer Beobachtung. Bei Luni war es meine Tochter.

Sie kann bisher nicht lesen. Gleichzeitig möchte sie Dinge selbstständig erledigen, ohne ständig fragen zu müssen. Auch Themen, die sensibel sind. Auch Dinge, bei denen es um den eigenen Körper geht. Mir wurde klar: Die meisten Apps, die es dafür gibt, setzen Lesen voraus. Texte, Erklärungen, Formulare, Logins. Alles Dinge, die Selbstständigkeit verhindern, statt sie zu fördern.

Luni ist mein Versuch, das zu ändern.

Warum diese App existiert

Luni soll meiner Tochter helfen, eigenständig mit ihren Tagen umzugehen – ohne Texte, ohne Erklärungen, ohne fremde Erwartungen. Die App besteht im Kern aus Symbolen, Farben und einem klaren Rhythmus: öffnen, bestätigen, Überblick sehen.

Dabei ging es mir um mehr als eine einzelne Anwendung. Luni ist auch ein persönlicher Beitrag zum Thema Inklusion. Nicht als großes Konzept, sondern ganz konkret: Was braucht ein Mensch, der nicht lesen kann, um trotzdem selbstbestimmt handeln zu können?

Diese Frage hat viele Entscheidungen geprägt:

  • bewusst keine Werbung
  • bewusst keine Logins
  • bewusst keine persönlichen Informationen
  • keine Cloud, kein Tracking
  • Reduktion auf das absolut Wesentliche

Je weniger die App weiß, desto sicherer fühlt sie sich an. Je weniger sie erklärt, desto besser funktioniert sie für Menschen, die nicht lesen können oder wollen.

Luni ist kein medizinisches Produkt. Sie verspricht nichts. Sie bewertet nichts. Sie beobachtet nur, was war – und macht es sichtbar.

Technischer Hintergrund: VibeCoding mit Replit

Technisch ist Luni ebenfalls aus einem Dialog entstanden. Entwickelt habe ich die App via VibeCoding mit Replit. Die Arbeit lief in kurzen, sauberen Iterationen: Idee formulieren, umsetzen lassen, prüfen, anpassen. Kein starres Pflichtenheft, sondern ein kontinuierliches Gespräch mit dem Tool.

Das funktionierte erstaunlich gut – bis zum Punkt der Veröffentlichung.

Wenn Automatisierung endet

Die eigentliche Herausforderung begann beim Publizieren über Expo Build. Hier war zum ersten Mal manuelles Eingreifen notwendig: Code anpassen, Konfiguration prüfen, Kommandos in der Shell ausführen. Nichts Dramatisches, aber ein klarer Bruch mit dem bisherigen Flow.

Was geholfen hat, war eine einfache Maßnahme: Ich habe mir früh eine README.md angelegt, in der ich alle relevanten Kommandos, Schritte und Entscheidungen festgehalten habe. Dadurch blieb der Prozess nachvollziehbar – auch dann, wenn ich ihn ein paar Tage liegen ließ.

App-Store-Realität

Überraschend aufwendig war die Vorbereitung der Vorschaubilder für den iOS-App-Store. Die geforderten Seitenverhältnisse weichen stark von dem ab, was gängige Tools unterstützen. Weder klassische AI-Generatoren noch Designtools wie Canva liefern hier zuverlässig passende Ergebnisse.

Interessanterweise hat Replit selbst diese Aufgabe hervorragend gelöst: Screenshots exakt im gewünschten Format, ohne Nacharbeit. Ein Detail, das im Gesamtprozess viel Zeit und Nerven gespart hat.

Weniger als Prinzip

Luni ist kein Showcase für Technik. Die App ist bewusst klein. Sie will nichts erklären, nichts optimieren, nichts analysieren. Sie will nur funktionieren. Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis aus diesem Projekt:

Reduktion ist keine Einschränkung. Sie ist eine Haltung.

Und manchmal beginnt gute Software genau dort, wo man aufhört, mehr zu wollen.

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